Monatsarchiv: Oktober 2007

Riester und Rürup – nein danke!

Warum man einem angeblich „geschenkten“ Gaul lieber doch ins Maul schauen sollte

Hier konnten Sie bereits lesen, dass auch Banker oft gerade dann den Blick für die Realität verlieren, wenn große Summen auf dem Spiel stehen oder wenn der Kunde mit einem lukrativen Vertragsabschluss „droht“, der den Verkäufern gute Provisionen beschert. Das (nach eigenen Angaben) moderne Wirtschaftsmagazin FocusMoney verhält sich ähnlich. In schöner Regelmäßigkeit liegen diesem Magazin so genannte „Gemeinschafts-Spezials“ als Sonderausgabe bei. Dieser Hinweis findet sich dezent am oberen Rand, während die gesamte Spezialausgabe im typischen FocusMoney-Design aufgemacht ist. Anders ausgedrückt: Der Sponsor dieser Ausgabe wird bewusst klein gehalten, damit das Auge des Lesers gar keine Chance hat, diese Spezialausgabe als reine Werbebotschaft zu entlarven. Momentan liegen die Themen Riester und Rürup natürlich voll im Trend, nachdem die gesamte Versicherungswirtschaft versucht, sich ein möglichst großes Stück vom – selbst geschaffenen – Kuchen abzuschneiden.

So viel zum Thema „unabhängige Presse“. Dieses Werbeblatt versäumt es dann natürlich auch nicht, flankierend zur Sonderausgabe immer wieder auf den jeweiligen Sponsor zu sprechen zu kommen. In Wahrheit geht es nämlich nicht etwa um die Aufklärung über „Steuervorteile“ o. ö., sondern darum, den Menschen langfristige Versicherungsverträge zu verkaufen. Mit dem Slogan „Geld vom Staat“ sollen dann auch die letzten Zweifel beseitigt werden. Damit wir uns richtig verstehen, jeder sollte die Zulagen mitnehmen, die ihm zustehen. Doch bei Riester und Rürup darf man nicht übersehen, dass diese neuen Produktideen erst wenige Jahre am Markt sind und hier alles andere als Erfahrungen vorliegen. Die Lebensversicherer lehnen sich mit ihren Prognosen verdammt weit aus dem Fenster.

So stellen sie ihren Sparern Rentenzahlungen in Aussicht, die teilweise erst in 40 Jahren zur Auszahlung kommen sollen. Ich frage mich, wie naiv viele Sparer sein müssen, dass sie dem Werbegeschwätz einer auf Gewinnmaximierung ausgelegten Branche so blind folgen. So heißt es an einer Stelle in einem der besagten Spezialprospekte bspw: „…vier von fünf Riester-Sparern entscheiden sich für eine private Rentenversicherung“. Schön dumm, kann ich da nur sagen, oder, wie Albert Einstein zu sagen pflegte:

„Das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich, wobei ich mir beim Universum nicht ganz sicher bin.“

 Kapitallebens- und Rentenversicherungen sind weder lukrativ noch sind sie flexibel. Sollte die Versicherungsgesellschaft im schlimmsten Fall von einem Konkurs betroffen sein, haben Sie so gut wie keine Chance, schnell aus solchen Verträgen herauszukommen. Aktien und Fonds dagegen können zu jeder Zeit verkauft werden – bei Fondspolicen können Sie sich Ihre Investmentanteile wenigstens noch übertragen lassen, da sie nicht Bestandteil des Deckungsstockes der Versicherungsgesellschaft sind, sondern Sondervermögen darstellen, welches von einem Konkurs der Gesellschaft nicht betroffen ist.

Des Weiteren sind die Renditen bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen größtenteils nicht garantiert. Auf derselben Seite der verkappten Werbebroschüre heißt es dazu: „Die Versicherer garantieren außerdem eine Mindestverzinsung von aktuell 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge“. Na super, dass entspricht in etwa der Inflationsrate, welche das Statistische Bundesamt aktuell (Sept. 2007) mit 2,4 % beziffert. Anleger, die ihr Geld bei einer Direktbank anlegen, können nicht nur flexibler auf Veränderungen reagieren, sondern erhalten überdies sogar mehr als 4 % – und zwar ohne Abzüge. Denn die 2,25 % der Versicherungen werden nur auf den Sparanteil gezahlt. Unterstellt, von den Einzahlungen werden nur 70 Prozent angelegt, weil der Rest für die Kosten der Gesellschaft abgezweigt wird, erhalten Anleger tatsächlich (also bezogen auf den eingezahlten Beitrag) nur 1,57 % (!) garantiert ausgezahlt. Bei Banksparplänen kommt es dagegen zu keiner Kürzung. Hier entsprechen 4 Prozent tatsächlich 4 Prozent. Rechnet man der Fairness halber einen Anteil von 5 Prozent vom Einzahlungsbetrag für eine Risikolebensversicherung ab (um einen Vergleich anstellen zu können), liegt die tatsächliche Verzinsung, bezogen auf den Sparanteil, bei 3,8 %. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro auf 30 Jahre gerechnet sieht das Ergebnis dann wie folgt aus:

Ergebnis Banksparplan bei 3,8 %:                                       31.000 €
Ergebnis Lebens-/Rentenversicherung bei 1,57 %:         16.000 €
Vermögensvorteil gegenüber Versicherungslösung:      15.000 €

Bei guten Investmentsparplänen oder Fondspolicen kann dieser Vermögensvorteil noch um einiges größer ausfallen. Sie sehen, wer sich für mehr Flexibilität auf Basis von Sachwerten  entscheidet, hat unterm Strich auch wesentlich mehr Geld in der Tasche.

In der besagten Spezialausgabe ließ sich der Redakteur vom Sponsor weiter in die Feder diktieren:

 „… In der Regel fallen die Renditen aber deutlich höher aus, weil die Versicherten an den erwirtschafteten Überschüssen beteiligt werden. So könnte etwa ein Familienvater … statt mit 179 Euro im Monat mit 324 Euro Zusatzrente rechnen.“

Die Betonung liegt auf „könnte“. Denn das ist eine Prognose, welche die Versicherungsgesellschaft heute für eine Leistung in rund 30 Jahren abgibt. Das ist nicht nur unrealistisch, sondern purer Unsinn. Versicherungen sind Wirtschaftsunternehmen und als solche natürlich auch den gleichen Schwankungen und Risiken ausgesetzt, wie jedes andere Unternehmen auch. Wie man angesichts der demoskopischen und globalen Herausforderungen in diesem Land eine solche Prognose abgeben mag, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist eine Frechheit sondergleichen, dem Kunden eine Rente von 179 Euro zu garantieren, ihm aber fast das Doppelte, hier 324 Euro, in Aussicht zu stellen. Was müssen das für Mathematiker sein, die solche gewagten Berechnungen anstellen?

Ein Blick in die Vergangenheit beweist, dass gerade der Anbieter der hier zitierten Spezialausgabe alles andere als ein zuverlässiger Partner ist. Die immerhin zweitgrößte Lebensversicherungsgesellschaft Deutschlands strich 2005 die Überschussrente drastisch zusammen. Die Einbußen lagen nach Angaben des Versicherers im Schwerpunkt bei 50 Prozent! Begründet wurden diese Einschnitte vor allem mit der schwachen Entwicklung der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren. So fielen die Zinserträge, welche das Unternehmen zwischen 1999 und 2003 erwirtschaften konnte, von 8,3 % auf 5,0 % zurück. Es ist kaum anzunehmen, dass sich die Ergebnisse in den nächsten Jahren verbessern werden. Anders ausgedrückt: Die Kunden erhalten nur noch rund die Hälfte dessen ausbezahlt, was ihnen seinerzeit versprochen wurde. Das war vor drei Jahren. Nun ist ganz offensichtlich wieder Gras über die Sache gewachsen, so dass das Management mit neuem Elan und bunt bedruckten Spezialausgaben auf weiteren Kundenfang geht. Die Rating-Agentur Map-Report hat die Ablaufleistungen der größeren LV-Gesellschaften einmal genauer unter die Lupe genommen und ein Ranking erstellt. Danach belegt eben dieser Anbieter, der von FocusMoney auf diesem fragwürdigen Weg gepusht wird, gerade mal den 30. Platz unter den Top 30 der deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften.

FocusMoney wäre gut beraten, seine Werbepartner nicht nur nach dem Werbebudget auszusuchen, sondern auch nach Renditegesichtspunkten und Verbraucherfreundlichkeit. Aber wie heißt es so treffend: „Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing.

Im Mai 2006 hat sich die Europäische Union darauf verständigt, dass irreführende Angaben über Inhaltsstoffe und die gesundheitliche Wirkung von Nahrungsmitteln in Anzeigen und auf Etiketten verschwinden müssen. Wer auf Fruchtgummitüten mit der Angabe „ohne Fett“ wirbt, muss zukünftig umdenken. Das ist gut so. Nicht auszudenken, wenn die Molkereien auf die Idee gekommen wären, Yoghurt mit dem Hinweis zu verkaufen, dass auf den Zusatz von Lebertran verzichtet wurde. Die neue EU-Verordnung verlangt einen auffälligen Hinweis darauf, dass z.B. 100 Gramm der Fruchtgummis 76 Gramm Zucker enthalten. Wer hätte das gedacht, dass Gummibärchen Zucker beinhalten?

Leider gilt diese Verpackungsordnung nicht für Finanzprodukte. Hier ist immer nur von Steuervorteilen und staatlicher Förderung die Rede.

Zugegeben, das klingt interessant, wer wollte das leugnen. Doch was hier generös als staatliche Förderung angepriesen wird, ist in Wahrheit irreführende Werbung. Denn tatsächlich muss der Steuerzahler im Rentenalter sämtliche Einnahmen, die er aus einem Riester- oder Rürup-Vertrag bezieht, voll versteuern. Seine Rente setzt sich aus eigenen Einzahlungen (teilweise bereits aus versteuertem Eigenkapital) und der staatlichen Zulage zusammen. Und exakt diese Gesamtsumme ist voll der Steuer unterworfen. Hat sich also was mit staatlicher Förderung. Kein Wunder also, dass sich die Experten darin einig sind, Riesterverträge möglichst nicht in Form einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung abzuschließen. So sagt z.B. die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (Die Zeit 39/2007):

 „… für den Anleger ist daher die Riester-Versicherung nicht immer die optimale Lösung.“ 

Und in der Ausgabe von Öko-Test (06/2007) heißt es dazu:

„Weil das Geld bei Riester-Fonds überwiegend an der Börse für die Rente arbeitet, können förderfähige Fondssparpläne auf lange Sicht deutlich mehr Ertrag abwerfen als Versicherungsprodukte und Banksparpläne. …die besten Sparpläne schafften nach Abzug sämtlicher Vertragskosten eine jährliche Durchschnittsrendite von stolzen neun bis 11 Prozent p.a. – wobei der staatliche Fördereffekt dabei noch nicht einmal eingerechnet ist. Zum Vergleich: Riester-Rentenversicherungen bringen es derzeit gerade mal auf vier bis fünf Prozent Rendite.“

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass Riesterprodukte auf Sachwertbasis, wie beispielsweise Investmentfonds die überragenden Gewinner sind!

Gleiches gilt natürlich auch für Rürup-Verträge. Hier wird mit exorbitanten Steuervorteilen geworben. Doch die immensen Nachteile machen sämtliche Vorteile zunichte:

Die Wahrheit über Rürup:

1. Eine Rürup-Versicherung bringt einen Renditevorteil von 0,4 % gegenüber
klassischen Rentenversicherungen (lt. Prof. Dr. Jäger, Universität Berlin).

2. Der Vertrag ist statisch, d. h. einmal abgeschlossen, ist ein vorzeitiger
Ausstieg nicht möglich. Der Versicherungskunde bindet sich an einen Vertrag,
der frühestens ab dem 60. Geburtstag ausgezahlt wird.

3. Keine Kapitalauszahlung – nur monatliche Rentenzahlung.

4. Wer kurz nach Rentenbeginn stirbt, verliert den gesamten Einsatz.

5. Durch Zusatzversicherungen können ein Hinterbliebenenschutz und eine
Berufsunfähigkeitversicherung integriert werden. Solche „Extras“ schmälern
die Auszahlung um bis zu 50 Prozent
, warnt auch die Stiftung Warentest.

6. Anbieter rechnen nur Beiträge und Auszahlungen vor, nicht aber den Anteil,
mit dem ein Versicherungskunde die spätere Rente versteuern muss.

7. Steuernachteil: Ein heute 45-jähriger, der mit 65 in Rente geht, muss später
85 Prozent seiner Rente versteuern. Dagegen kann er während der Einzahlungs-
phase aber nur 80 Prozent der Rürup-Beiträge steuerlich absetzen.

8. Bei Riester-Fonds ist garantiert, dass die Einzahlungen der Sparer nicht
verfallen. Bei Rürup-Fonds sind selbst die Einzahlungen nicht gesichert.
Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust.

Besonders dreist ist der Verbleib des Geldes im Todesfall. Wird keine teure zusätzliche Vereinbarung getroffen, fällt der gesamte Betrag im Todesfall an die Versicherungsgesellschaft! Das ist der Grund, weshalb die Versicherungen auf Teufel komm raus Rürup-Policen an den Mann und die Frau bringen wollen. Eine solche, vom Gesetzgeber verabschiedete, Steilvorlage, um sich selbst zu bereichern, gab es für die Versicherungsbranche noch nie! Die Versicherungskunden indes sind dabei die Dummen.

 „Ich halte von der Rürup-Rente gar nichts, weil sie unflexibel ist und sich nicht rentiert.“

Prof. Dr. Klaus Jäger
Institut für Wirtschaftstheorie der Freien Universität Berlin (Zeit 33/2007)

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Viel Erfolg bei der Vermehrung der gewonnenen Einsichten und damit auch Ihres Vermögens,
Ihr
Klaus J. P.-Kilfitt

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Alles wiederholt sich

Bankrun2007

Was Sie hier sehen, liebe Leser, ist nicht etwa ein Bild aus schlechten Tagen, als Menschen stundenlang anstehen mussten, um ein Brot und ein Stück Wurst zu ergattern.
Dieses Bild wurde vor einigen Tagen vor einer Filiale des englischen Bankhauses Northern Rock aufgenommen. Diese Bank ist, wie viele andere auch, stark im amerikanischen Immobilienmarkt engagiert und damit unmittelbar von der US-Immobilienkrise betroffen. Der Kursverlauf der Northern Rock-Aktie verdeutlicht das – leider – sehr eindrucksvoll.

Die Aktie notierte im Frühjahr noch bei fast 19 Euro. Ende September waren es nicht einmal mehr 4 Euro. Das ist ein Verlust von fast 80 Prozent. Nun haben die Kunden und Anleger der Northern Rock Bank Angst um ihre Ersparnisse, weshalb sie Schlange stehen, um zu retten, was zu retten ist. Dieses Verhalten ist in Krisenzeiten „normal“.

Ein Blick in die Analen der Menschheit lehrt uns, dass sich die Geschichte immer wiederholt und man daher niemals alles auf eine Karte setzen sollte. Genau deshalb ist es so wichtig, sein Geld zum einen breit gestreut anzulegen und zum anderen überwiegend in Sachwerte anstatt in Geldwerte zu investieren. Ansonsten droht der Totalverlust, wie schon 1929, als die Weltwirtschaftskrise ihren Anfang nahm. Auch hier standen die Menschen in langen Schlangen vor den Bankfilialen, um ihr Geld zu retten, wie hier vor der Bank für Deutsche Beamte:

Bankrun1929

So gleichen sich die Bilder – wie gesagt, weil sich die Geschichte immer wiederholt. Währungen sind nur etwas wert, solange Menschen ihnen vertrauen. Der schwindende Dollar indes wirkt alles andere als vertrauenerweckend.

Mehrere Währungsreformen haben einmal angespartes Kapital buchstäblich in nichts aufgelöst. Ich will mitnichten eine neue Krise herbeireden, doch wir sind im Augenblick nicht sehr weit davon entfernt. Das wird schon daran deutlich, dass die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank binnen Stunden dreistellige Milliarden-Beträge (!) in den Finanzkreislauf spritzten, um einen Crash zu verhindern. Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit haben Banken so viel Geld auf einen Schlag in ein marodes System injiziert wie in diesen Tagen.

Bekanntlich lässt sich mit Öl kein Feuer löschen – aber genau das passiert derzeit. Anders ausgedrückt: Das kapitalistische System ist an seine Grenzen gestoßen. Aber statt Schadensbegrenzung zu üben, wird ungeniert weitergemacht, wie das Verhalten der Notenbanken zeigt. Diesen bleibt allerdings derzeit nicht viel anderes übrig, da sich die einzelnen Banken untereinander kein Geld mehr leihen, aus Angst vor Verlusten.

Das muss man sich einmal vorstellen: Banker untereinander trauen sich nicht mehr über den Weg. Gleichwohl gehen aber genau diese Typen auf ihre Kunden zu und überreden selbige, ihr sauer verdientes Geld just bei ihnen anzulegen.

Die US-Immobilienkrise ist inzwischen auch eine Krise internationaler Banken, weil sich viele Banker in ihrer Gier an hochspekulative Immobiliengeschäfte wagten und jetzt bangen müssen, keinen Cent mehr zu sehen, da viele dieser Geschäfte zu platzen drohen. Das hat natürlich Auswirkung auf den Aktienkurs dieser ach so geplagten deutschen Banken.

Als eine der wenigen, gab dieser Tage die Deutsche Bank zu, dass sich viele Banken hierzulande verspekuliert haben. Dieses Eingeständnis machte kein Geringerer, als der Chef des größten deutschen Geldhauses, Josef Ackermann, persönlich. Nach seiner Aussage belasten die Turbulenzen an den Finanzmärkten auch die Deutsche Bank stärker als bislang zugegeben. Dazu sagte Ackermann:

 „Auch die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, auch in dieser Krise.“

 Weiter räumte Ackermann ein,

 „man sei in der allgemeinen Euphorie zu Beginn des Jahres übertriebene Kreditversprechen eingegangen, die sich nun nicht mehr veräußern ließen. 29 Milliarden Euro an Kreditzusagen für Übernahmen müssten nun neu bewertet werden.“

Haben Sie genau gelesen, was der oberste Boss der größten deutschen Geschäftsbank als Begründung anführte? „Man sei in der allgemeinen Euphorie …“

Ich wusste gar nicht, dass Banker Emotionen haben, geschweige denn Gefühle zeigen können. Aber ich lasse mich natürlich gern eines Besseren belehren – zeigt sich doch an diesem Beispiel, dass, wenn es um Milliarden geht, selbst gestandene Bankvorstände die Dollarzeichen in den Augen haben und es vor lauter Gier an jener Sorgfalt fehlen lassen, die sie an anderer Stelle, besonders bei ihren „kleinen“ Kreditkunden, in Erbenzählermanier einfordern. Geht dann die Rechnung nicht auf, sind – wie könnte es anders sein – natürlich immer nur die Anderen schuld. Statt sich zu verändern und aus ihren Fehlern zu lernen, machen die verantwortlichen Bankvorstände ungeniert weiter und schämen sich natürlich nicht, weiterhin ihre Kunden anzulügen, wie z.B. die Sächsische Landesbank.

Erst vor einigen Wochen titelten die Tageszeitungen:

Sachsen LB erhält Notkredit

Mehr als 17 Milliarden Euro mussten die Landesbankkollegen und die Deka Bank nach Leipzig überweisen, um der inzwischen nach Stuttgart verkauften Sachsen LB aus der Klemme zu helfen. Hätte sich in dieser Situation kein Käufer gefunden, wäre die Bank am Ende gewesen. Wie aber passt dann die Werbung der Sachsen LB, die zeitgleich geschaltet wurde, zur Realität?!

6,5 % Plus Garantie-Anleihe

 Laut Werbeprospekt der Sachsen LB handelt es sich dabei (!!!Achtung:) um eine „sichere Anlage mit Ertragsgarantie“, wobei im „schlechtesten Fall lediglich ein Zins von 6,5 % gezahlt wird.“ Trau, schau, wem, kann ich nur dazu sagen. Denn im Falle eines Konkurses dieser Bank wäre mit ziemlicher Sicherheit auch diese Anleihe wertlos. Die Anleger wären dann um ihre Ersparnisse gebracht worden. Womit wieder einmal mehr deutlich wird, dass Zertifikate und Anleihen Schuldverschreibungen sind, also Geldwerte, die im Krisenfall nichts mehr wert sind. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestabsicherung ist vielfach nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

In diesen Zeiten sind Aktien und Immobilien (sofern sie realistisch bewertet sind und nicht, wie in den USA, dreifach überzeichnet) noch immer die besten Kapitalanlagen. Wobei diese Aussage natürlich nicht pauschal auf jede Aktie und jede Immobilie bezogen werden darf, wie viele Beispiele zeigen. Deshalb sollten Sie vor jeder Anlageentscheidung stets einen neutralen Fachmann konsultieren.

Viel Erfolg bei der Vermehrung der hier gewonnenen Einsichten und somit auch Ihres Vermögens,
Ihr
Klaus J. P.-Kilfitt