Monatsarchiv: Juni 2009

Reich(ts) im Alter ?

Angesichts der derzeit desaströsen Aussichten fragt man sich, wie die „Finanzwelt“ darauf reagiert. Kostprobe gefällig? Nun, in einer ganzseitigen Anzeige im Focus vom April 2009 spricht der Vorstandsvorsitzende der CosmosDirekt Versicherung, Peter Stockhorst, von garantierten Renten und von einer „sicheren Seite“. Wörtlich heißt es: „Anleger können mit einer jährlichen Mindestverzinsung rechnen, die derzeit bei 2,25 Prozent liegt.“ Derzeit … und was ist in Zukunft? Immerhin läuft eine Lebensversicherung in der Regel fast 30 Jahre.

Ach, Sie glauben, dass Sie Bestandsschutz haben und man Verträge nicht ändern kann? Dann fragen Sie doch einmal Oskar Lafontaine, der sich einige Monate als Finanzminister versuchte, bis er merkte, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen war. In seiner ebenso kurzen wie unsäglichen Amtszeit verabschiedete er u. a. ein Gesetz, das Immobilien, die ein Verkäufer weniger als 10 Jahre in seinem Bestand hatte, im Verkaufsfall der Steuer zu unterwerfen sind. So weit, so schlecht. Aber es kam noch dreister. Dieses Gesetz wirkte sich rückwirkend aus. Also auch die, die vor 1999, dem Jahr der Gesetzesänderung, über Immobilieneigentum verfügten, wurden zur Kasse gebeten. So mußte etwa jemand, der 1994 seine Immobilie erworben hatte und selbige 6 Jahre später verkaufte, diese unsägliche Steuer zahlen.

Rückwirkende Gesetzesänderungen? In einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich ein völliges Unding! Sollte sich ein Rechtsstaat nicht durch Vertrauen auszeichnen? Wenn Politiker dieses Vertrauen aber immer wieder mißbrauchen, geht der Glaube an dieses demokratische System früher oder später verloren.

An derartigen Beispielen zeigt sich, dass auf das dumme und verlogene Geschwätz von Bestandsschutz und Sicherheit kein Verlaß (mehr) ist. Insofern dürfen Versicherungskunden auch nicht davon ausgehen, dass eine vom Staat garantierte Mindestverzinsung nicht doch noch rückwirkend abgestuft oder gar gänzlich abgeschafft werden kann, wenn dadurch z.B. die Versicherungsgesellschaft „gerettet“ werden soll.

Im Übrigen ist die Formulierung des Herrn Vorstandsvorsitzenden der CosmosDirekt ebenso unkonkret wie dadurch unseriös: Er spricht von einer Mindestverzinsung von 2,25 Prozent (welche gesetzlich vorgeschrieben ist). Er spricht aber nicht darüber, auf welchen Betrag sich diese Mindestverzinsung bezieht. Ich verrate es Ihnen: Jede von Ihnen geleistete Zahlung in eine Lebensversicherung wird – neben dem Anteil zur Abdeckung des Risikos – um die Kosten der Versicherungsgesellschaft reduziert. Über die Höhe dieser Kosten schweigt sich die Branche aus. Während die Europäische Union die Größe von Kartoffeln und Gurken vorschreibt, was ja so wahnsinnig wichtig ist, findet sich bis heute kein Gesetzestext, die eine Versicherung zur Offenlegung ihrer Kostenverteilung zwingt. Die Gesellschaften können mit dem Geld ihrer Kunden nach Belieben schalten und walten. Einzig der Wettbewerb verbietet es ihnen, allzusehr über die Stränge zu schlagen. Und wir sprechen hier nicht etwa von Peanuts. Experten gehen davon aus, dass diese so genannten „Verwaltungskosten“ zwischen 10 und 30 Prozent liegen. Somit werden im schlimmsten Fall von 100 Euro, die Sie Monat für Monat einbezahlen, nur 70 Euro angelegt, und nur diese werden dann mit 2,25 Prozent verzinst. Bezogen auf Ihre Einzahlung von 100 Euro ergibt sich somit eine „reale“ Verzinsung von 1,57 Prozent. Jedes Tagesgeldkonto bei Ihrer Bank bringt Ihnen mehr Geld!

Weiter heißt es in der Anzeige von CosmosDirekt:

„Verbraucher, die nach einem sicheren Anbieter für ihre Altersvorsorge suchen, sollen zudem darauf achten, wie finanzstark ein Versicherer ist. Unabhängige Bewertungen helfen bei der Beurteilung. Zum wiederholten Mal haben wir jüngst von Assekurata die Bestnote im deutschen Versicherungsmarkt erhalten – auch für die Sicherheit unseres Unternehmens.“

 Um es an dieser Stelle klipp und klar zu sagen, es geht hier nicht darum, speziell gegen die CosmosDirekt zu Felde zu ziehen. Es geht mir darum, Ihren Blick für derartige Vernebelungstaktiken zu schärfen. Im Grunde genommen argumentieren alle Versicherungsgesellschaften nach dem gleichen Muster. Insofern will ich an dieser Stelle auch nicht weiter den Finger in die Wunde legen. Doch wenn eine Versicherungsgesellschaft von sich aus behauptet, sie sei sicher, weil finanzstark, dann sei daran erinnert, dass dieses auch die Banken bis vor Kurzem noch von sich behauptet haben. Fakt ist, Versicherungsgesellschaften sind i.d.R. Aktiengesellschaften oder Vereine und unterliegen damit den gleichen Risiken, wie jedes andere privatwirtschaftliche Unternehmen auch. Sie können Gewinne oder Verluste erwirtschaften. Letzteres kann auch in die Insolvenz führen. Die Kundengelder selbst sind zwar Sondervermögen und damit nicht unmittelbar gefährdet, aber die Abwicklung wird im Konkursfall alles andere als folgenlos bleiben. Nein, einen globalen Konkurs der Versicherungsbranche will hier niemand prophezeien, doch ausschließen kann man das in diesen Zeiten nicht. Wer kann heute schon verbindlich sagen, wie die Welt in 20 Jahren aussieht? Die Finanzkrise hat uns doch eines deutlich vor Augen geführt: „Wer sich auf andere verläßt, ist verlassen. Insofern sind Zweifel angebracht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Nachricht vom Pensions-Sicherungs-Verein (PSV). Dieser Verein übernimmt die Fortzahlungen von Betriebsrenten für insolvente Arbeitgeber. Rund 76.000 Mitgliedsunternehmen bekommen dieser Tage unangenehme Post vom PSV, die es in sich hat. Denn der Mitgliedsbeitrag für das Jahr 2009 wird sich mehr als vervierfachen. Er steigt von 0,18 Prozent auf 0,82 Prozent. Dadurch müssen die Mitgliedsunternehmen allein in diesem Jahr Mehrkosten von rund 2,34 Milliarden Euro aufbringen.

Wegen der Finanzkrise mußte der PSV in 2009 fast vier Milliarden Euro mehr ausgeben als geplant. Dies ist die bisher höchste Schadenssumme seit Gründung des Vereins im Jahre 1975. Um die Mehrausgaben stemmen zu können, hätte der PSV seinen Beitragssatz eigentlich auf 1,42 Prozent steigern müssen. Doch um seine Mitglieder nicht zu überfordern, nutzt der Verein die im Betriebsrentengesetz festgelegte Möglichkeit, einen Teil der Lasten auf die kommenden vier Jahre zu verteilen. Das wird aber nichts nützen – doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Protagonisten hoffen, dass sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren so weit stabilisieren wird, dass der Verlust dadurch eingedämmt werden kann. Hier ist, wie so oft, die Hoffnung der Vater des Gedankens. Denn die Spatzen pfeifen es unüberhörbar von den Dächern: Eine noch nie dagewesene Pleitewelle überrollt Europa und sie wird schon bald Deutschland erfaßt haben. Die aktuellen Statistiken der Jobcenter sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Nehmen Sie diese Entwicklung nicht auf die leichte Schulter. Handeln Sie, und zwar richtig und rechtzeitig, bevor es zu spät ist.

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