Monatsarchiv: Juli 2011

Zitate zur Euro-Stabilität

„Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den sogenannten reichen Ländern abkassiert. Dann nämlich würde Europa auseinanderfallen. Es gibt eine ’no bail out rule‘. Das heißt, wenn sich ein Land durch eigenes Verhalten hohe Defizite zulegt, dann ist weder die Gemeinschaft noch ein Mitgliedstaat verpflichtet, diesem Land zu helfen.“
Horst Köhler, damals Finanzstaatssekretär, April 1992

„Die neue Währung wird nur dann stabil sein, wenn die klar definierten Stabilitätsmerkmale auf Dauer gelten. Eine funktionstüchtige Währungsunion benötigt eine regelmäßig und verpflichtend abgestimmte Finanzpolitik.“
Hermann Otto Solms, FDP-Finanzexperte, Oktober 1995

„Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet.“
Ralf Dahrendorf, liberaler Vordenker, Dezember 1995

„Ihr könnt darauf vertrauen, dass der Euro eine stabile Währung sein wird. Das funktioniert.“
Wolfgang Schäuble, damals Unionsfraktionschef, Dezember 1996

„Die Stabilität des Euro hängt langfristig von der Reaktion der Finanzmärkte ab. Wenn die Teilnehmer der Währungsunion, was ich befürchte, nach politischen Erwägungen ausgewählt werden, dann wird das die Devisenhändler beeindrucken.“
Gerhard Schröder, damals niedersächsischer Ministerpräsident, Februar 1997

„Auf keinen Fall darf es einen weichen, inflationstreibenden Euro geben.“
Jacques Delors, früherer EG-Kommissionspräsident, Juni 1997

„Es gibt keine Zentralbank der Welt, die von der Politik so unabhängig ist wie die Europäische Zentralbank.“
Wim Duisenberg, erster EZB-Präsident, Juni 1998

„Der Euro ist eine außerordentlich stabile Währung, stabiler als zum Beispiel die Mark während der meisten Zeit ihrer 50-jährigen Existenz.“
Ottmar Issing, damals Chefökonom der Europäischen Zentralbank, Januar 2000

„Der Euro hat ein starkes Imageproblem. Die EZB tut zu wenig, dem entgegen zu wirken. Sie sagt nicht eindeutig, ob sie ihre Geldpolitik an der Inflationsrate orientiert oder an der Geldmenge.“
Joachim Starbatty, Wirtschaftswissenschaftler und Eurogegner, Mai 2000

„Der Euro beruht auf derselben Art von Stabilität wie die Mark. Dafür haben wir mit dem Stabilitätspakt gesorgt.“
Romano Prodi, damals EU-Kommissionspräsident, September 2001

„Dieses Geld wird eine große Zukunft haben!“
Helmut Kohl, Altbundeskanzler, Dezember 2001

„Auf mittlere Sicht erwarte ich, dass die Preise für Autos und Medikamente sinken. Der Euro ist kein Teuro. Er ist genauso hart wie die D-Mark, auch im Verhältnis zum Dollar.“
Hans Eichel, damals Bundesfinanzminister, Dezember 2001

„Die EZB würde problematisch handeln, wenn sie auf die Interessen einzelner Länder einginge. Das wäre, wie wenn die Bundesbank früher auf die Situation einzelner Bundesländer geschaut hätte.“
Hans Tietmeyer, früherer Bundesbankchef, Dezember 2006

„Der Euro ist ein riesiger Erfolg. Wenn wir ihn nicht hätten, stünden wir um vieles schlechter da.“
Theo Waigel, früherer Bundesfinanzminister, Januar 2009

„Keine Regierung und kein Staat könnten eine spezielle Behandlung erwarten. Die Notenbank wird ihre Prinzipien nicht ändern, nur weil die Staatsanleihen eines Mitgliedslandes die entsprechenden Kriterien nicht mehr erfüllen.“
Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident, Januar 2010

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Euro-Schuldenkrise: Die Vernichtung des Vermögens der kleinen Leute

Was sich momentan bei italienischen und spanischen Staatsanleihen abspielt, erinnert frappierend an die Zeit kurz bevor erstmals ruchbar wurde, dass Griechenland praktisch pleite ist. Damals wie heute behaupten die Regierungen der Eurozone unisono, ihre Anleihen seien sicher, die Probleme nur von vorübergehender Natur und ausschließlich durch zockende Spekulanten und bösartige US-Ratingagenturen hervorgerufen.Natürlich ist das kompletter Unsinn – aber es ist ja immer schön, wenn man einen Buhmann hat, dem man den schwarzen Peter zuschieben kann um nicht selbst zur Verantwortung für sträfliche Versäumnisse genommen zu werden. In Wirklichkeit ist hauptsächlich der (durchaus nachvollziehbare) Sinneswandel großer, konservativer Investoren – insbesondere Lebensversicherungen und Pensionskassen – für den massiven Zinsansteig verantwortlich. Diese wollten ursprünglich ein sicheres Investment mit etwas besseren Zinsen. Nun wird vielen klar, dass die von ihnen erworbenen, südeuropäischen Staatsanleihen bei weitem riskanter sind als gedacht und gegenüber den Anlegern vertretbar.

Deutsche Lebensversicherer sind massiv in Spanien und Italien engagiert
Die Allianz, die Nr. 1 unter den deutschen Lebensversicherern, hat laut Presseberichten jeden vierten Euro seines Anleiheportfolios in Italien und Spanien angelegt. Bei den übrigen deutschen Versicherern dürfte es kaum weniger sein. Es ist davon auszugehen, dass der ein oder andere Portfoliomanager versuchen wird, zumindest einen Teil seiner spanischen und italienischen Anlagen loszuwerden, bevor er sich gegenüber der Finanzmarktaufsicht erklären muss. Doch an wen ? Im Grunde kommen bestenfalls risikofreudige Anleger in Frage, die jedoch nur mit höheren Renditen geködert werden können. Und genau das passiert zur Zeit. Dass Italien gestern und heute summa summarum für knapp 12 Milliarden Euro neue Anleihen plazieren konnte, ist in diesem Zusammenhang keineswegs eine Erfolgsmeldung, da für den Absatz erheblich höhere Zinssätze als noch vor kurzem notwendig waren. Solche „Erfolge“ konnte Griechenland sogar noch drei Wochen vor der Pleite Anfang Mai 2010 „feiern“. Genützt hat es wenig. Mittlerweile müssen Italien und Spanien für zehnjährige Anleihen Renditen bieten, wie Griechenland ein halbes Jahr vor dem Bankrott.

Spanien und Italien: to big, to bail

Die beiden größten Länder des südlichen Eurogürtels sind viel zu groß, um nach dem bisherigen Muster „gerettet“ werden zu können. Für die Eurozone ist diese Entwicklung dramatisch. Allein Spanien hat so viele Schulden (ca. 640 Mrd. Euro) wie Griechenland, Irland und Portugal zusammen. Italiens Schuldenberg beläuft sich derzeit laut Eurostat sogar auf über 1.840 Mrd. Euro. Eine Rettungsaktion für diese großen, hoch verschuldeten Volkswirtschaften käme für die „Retter“ einem Selbstmord gleich. Bisher haben die Regierungen der Eurozone eine wirkliche Lösung der Krise vermieden und stattdessen immer nur auf Zeit gespielt. Angesichts der schieren Größe der Schulden in Spanien und Italien ist dies nun kein gangbarer Weg mehr. Falls das Vertrauen der konservativen Investoren weiter schwindet, werden in Europa schon bald harte Entscheidungen anstehen. Entweder wir sorgen für eine deutliche Entschuldung durch Inflation oder aber durch Zahlungsausfälle mittels Staats- und Bankenpleiten. Schmerzfreie Lösungen gibt es nicht mehr.Und was bedeutet dies nun für Lebens- und Rentenversicherungen ?

Laut Statistik hat jeder Deutsche mehr als eine solche Kapitalversicherung im Schrank. Noch wiegen sich die meisten in trügerischer Sicherheit. Wie bei so manchem, ehemals offenen Immobilienfonds dürfte eine Panik kaum vermeidbar sein, wenn die Menschen die wahren Risiken ihrer angeblich soliden Altersvorsorge erkennen. „Wenn schon in Panik geraten, dann doch am besten als Erster“ lautet eine alte Börsenweisheit. Und so kann die Devise nur lauten: „Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.“ In diesem Sinne ist das wichtigste Schriftstück in Ihrem Versicherungsordner die Kündigung dieser unsinnigen Geldvernichtungsverträge !