Schlagwort-Archive: Klaus Kilfitt

Obama – Lichtgestalt oder Luftnummer?

Wieso nur diskutiert Deutschland eigentlich seit Jahren über Obama? In dessen Heimat war der anfängliche, durch nichts begründete, Hype ziemlich schnell vorbei und wich der vorhersehbaren Ernüchterung. Anstatt über’s Wasser zu laufen, ist der vermeintliche Heilsbringer gnadenlos abgesoffen. Nur in good old germany will das irgendwie niemand wahr haben. Das wurde besonders offenkundig bei den Umfragen anläßlich der letzten US-Präsidenten-Wahl, bei der die Bundesbürger zwar glücklicherweise nichts zu entscheiden, wohl aber eine Meinung hatten.

Schlimmer geht’s immer
Zeichnete sich die erste Amtszeit Obamas noch primär dadurch aus, dass er so gut wie keinen Punkt seines Wahlprogrammes in die Praxis umzusetzen vermochte (und das lag beileibe nicht (nur) an den blockierenden Republikanern im Kongress), jagt in seiner zweiten Amtszeit nun ein Skandal den nächsten.
Und waren die Fehltritte bisheriger demokratischer Präsidenten eher von der peinlich-putzigen, aber letztendlich harmlosen, Sorte, wie Cigarren-Bill’s „Sex“-Affäre, handelt es sich bei Obama wirklich um handfeste Skandale, wie man sie bisher nur den Republikanern zutraute. Illegale Bespitzelungen von Journalisten und politischen Gegnern, gegen internationales Recht verstoßende Tötungen am laufenden Band und nun auch noch Ausspähung von Verbündeten – Rechtsbeugung in nahezu allen Varianten – Bush jun. und Nixon lassen grüßen.

Im eigenen Land macht sich dies inzwischen auch drastisch an den Umfragewerten bemerkbar, wo Obama, wenn er so weitermacht, sich bald ein Rennen um den Titel des unbeliebtesten Präsidenten ever liefern dürfte. Nur in Deutschland traumtänzeln seine Fans noch immer, halten das noch immer nicht geschlossene Guantanamo inzwischen offenbar für ein Pfadfinder-Ferienlager und mordende Drohnen für das Hobby eines Modellflugzeug-Fans.

Das wird jedoch wohl letztendlich nichts daran ändern, dass Obama nicht primär als erster afroamerikanischer Präsident in die Analen der US-Geschichte eingehen wird, sondern als eine der größten Luftnummern der Weltpolitik. Sicher, es gab Staatsoberhäupter, die ähnlich wenig geleistet haben. Aber bei kaum einem war die Diskrepanz zwischen Anspruch/Erwartung und Realität so gigantisch, wie bei diesem Heißluftgebläse aus Hawaii.

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Autor, Analyst und Fachreferent

Der Beteiligungsmarkt mit seiner schier unüberschaubaren Vielfalt an Angeboten birgt etliche Risiken, bietet aber auch außergewöhnliche Chancen.
Anleger wie Vermittler tun sich gleichermaßen schwer, in diesem Dickicht den Überblick zu behalten und die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Schwemme an „Fachmagazinen“ und „Branchen-Reports“ trägt dabei ebenso eher zur Verwirrung als zur Transparenz bei, wie die Kaste der selbsternannten „Anlegerschützer“ und „Ratingpäpste“ mit ihren teilweise äußerst fragwürdigen Geschäftsmodellen.
Insbesondere für Berater und Vermittler ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, zu wissen, welche Produkte sie ihren Klienten guten Gewissens anbieten und von welchen sie lieber Abstand nehmen sollten. Denn sie haften gegenüber ihrem Kunden für ihre Anlageempfehlung.

Ich beschäftige mich nunmehr seit über 2 Jahrzehnten mit der Konzeption, Analyse, Beurteilung und Optimierung von Beteiligungsangeboten und geschlossenen Fonds und engagierte mich darüber hinaus 15 Jahre lang ehrenamtlich im Vorstand eines Verbraucherverbandes, welcher sich schwerpunktmäßig mit der Bewertung und dem Vergleich von Finanzdienstleistungen beschäftigt.

Mit meinen Analysen bemühe ich mich, ein Stück weit dazu beizutragen, für den haftungsbedrohten Finanzdienstleistungsvertrieb Licht ins Dunkel zu bringen und seriösen Beratern und Vermittlern zu helfen, lukrative Angebote von windigen Abkassiermodellen zu unterscheiden.


Ursula & Walter – Marketingstrategen der Assekuranz

Die neuesten Pläne unserer blaublütigen Bundesarbeitsministerin und (nach des Freiherren unfreiwilligem Abgang) potentiellen Merkel-Thronfolgerin, Ursula von der Leyen, zeigen vor allem eines: Nämlich, wie weit die Verbindungen der Versicherungskonzerne ins Kanzleramt reichen.
Sie möchte, dass Frauen eine Art Grundrente in Höhe von 850 Euro monatlich bekommen. Damit fällt sie um 200 Euro höher aus als die Grundsicherung von derzeit 650 Euro. Allerdings knüpft die Ministerin daran Bedingungen, die nur die wenigsten werden erfüllen können. So muß die Rentenversicherte 40 Versicherungsjahre Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung sein, wovon sie mindestens 30 Beitragsjahre eingezahlt hat. Ab 2023 soll die Grenze von 40 auf 45 Jahre angehoben werden (35 Beitragsjahre). Eine weltfremde Bedingung. Experten haben errechnet, dass Frauen für gewöhnlich auf 25 Beitragsjahre kommen. Ein weiterer Knackpunkt ist die Koppelung an eine private Vorsorge, hier die Riesterrente.Wissen Sie eigentlich, welche Qualifikation der Erfinder dieser staatlich regulierten Form der privaten Vorsorge, unser Ex-Arbeitsminister Walter Riester, hatte? Er war Fliesenleger. Niemals hätte er seine Gesellenprüfung in diesem ehrbaren Handwerksberuf geschafft, wäre sein Gesellenstück so miserabel ausgefallen wie sein Projekt zur Förderung der privaten Altersvorsorge. Da kann ich mich nur den Worten von Norbert Blüm, ebenfalls Arbeitsminister a. D., anschließen: „Die Riesterförderung macht nur die Anbieter reich„.
Das möchte ich Ihnen gerne an einem Beispiel, wie es in der Realität tausendfach vorkommt, beweisen. Sie werden danach verstehen, dass eine Koppelung an die Grundrente, wie unsere aktuelle Arbeitsministerin, Ursula von der Leyen sie fordert, keine Lösung ist.In meiner Beispielrechnung habe ich ein Brutto-Familieneinkommen von 35.000 Euro unterstellt. Der Riestervertrag wird von der Ehefrau (43 Jahre alt) abgeschlossen. Sie ist verheiratet. Der Familienvater ist ebenfalls 43 Jahre alt. Die Familie hat 3 Kinder im Alter von 12, 10 und 8 Jahren. Somit erhält sie die höchstmögliche Förderung vom Staat, und zwar 863 Euro. Ein üppiges Geschenk, von dem am Ende so gut wie nichts übrigbleibt. Denn die Versicherungsgesellschaft garantiert eine monatliche Rente von 72,54 Euro, sobald die Versicherungsnehmerin 67 Jahre alt ist. Dafür zahlt die Kundin anfänglich monatlich nur 5 Euro aus eigener Tasche. Für ihre Kinder erhält sie eine Förderung (Altersgrenze pro Kind: 25 Jahre). Sobald alle Kinder dieses Alter erreicht haben, fällt die Kinderzulage Schritt für Schritt weg. Um ihre Rente in der garantieren Höhe zu erhalten, muß sie dann monatlich 46,25 Euro selbst zahlen. Aus den anfänglichen 5 Euro werden somit 51,25 Euro. Die Grundzulage für sich und ihren Ehepartner in Höhe von 308 Euro werden weiterhin vom Staat gezahlt.

Die Rentenzahlung unterliegt der Steuer. Darauf weisen alle Anbieter hin – gut so! Sie relativieren diese Angaben, indem sie unterstellen, dass ein Rentner per se weniger Steuern zahlt als ein Gehaltsempfänger. Insofern, so ihre Aussagen, hält sich der Steuerbetrag in Grenzen. Das mag stimmen – für den Augenblick. Die Riester-Rente aus diesem Beispiel wird in 24 Jahren zur Auszahlung kommen. Wer sagt denn, dass die steuerliche Situation so bleiben wird, angesichts der demografischen Entwicklung? Gestern las ich, dass die Stadt Bad Belzig (Potsam-Mittelmark) eine Regensteuer einführen will. Sie verlangt 50 Cent pro Quadratmeter Grundstück, wenn das Regenwasser in den städtischen Kanal fließt. In Zeiten klammer Staatskassen kommen die Kämmerer auf die absurdesten Ideen. Das war zu allen Zeiten so, wobei sie es mit der Wahrheit selten genau nahmen. Die Öko-Steuer, die jeder Autofahrer beim Tanken zu zahlen hat, finanziert mitnichten ökologische Ideen, sondern die Rentenkasse. Das Geld aus dieser Kasse hatte seinerzeit Helmut Kohl für den Aufbau Ost verbrannt.

Die absurdeste Umschreibung in Sachen Steuern stammt vom britischen Premierminister William Pitt (1759-1806), der im April 1799 dem Londoner Unterhaus ein neues Gesetz vorstellte, und zwar wie folgt: „Gesetz betreffs Widerruf der durch Gesetz der vorangegangenen Sitzungsperiode verfügten Abgaben zwecks Beiwendungen zur Kriegführung und zu effizienteren Vorkehrungen für nämlichen Zweck durch Verfügung gewisser Abgaben aufs Einkommen als Ersatz.“ Gemeint ist die Einkommensteuer. So einfallsreich wie die Politiker in Bezug auf Steuermehreinnahmen sind, um so vergeßlicher sind sie, wenn es um die Einhaltung der vereinbarten Fristen geht. Das englische Parlament wollte die Einkommensteuer für höchstens zwölf Monate vereinbaren. Daraus sind mehr als 200 Jahre geworden. Über diese sprudelnde Einnahmequelle freute sich König Georg III. so sehr, dass er unentwegt neue Steuerarten „erfand“. So wurden Zusatzsteuern auf Haarpuder, Hunde, die Zahl der Dienstboten oder auf die Fenster in einem herrschaftlichen Haus erhoben. „Geld stinkt eben nicht„. Diese Feststellung hat auch einen steuerlichen Hintergrund. Der Erbauer des römischen Kolosseums, Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.), war chronisch pleite. Also führte auch er immer neue Steuern ein. Mit der Abortsteuer, die fortan von denen zu entrichten war, die in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt urinieren wollten, machte er sich auch innerhalb seiner Familie Feinde. Worauf er wutentbrannt seinen Kritikern eine Münze unter die Nase hielt und dabei das legendäre Zitat sprach.

Ich hole bewußt so weit aus, weil ein Riester-Vertrag eine Entscheidung fürs Leben ist. Wer sich dafür heute entscheidet, muß nicht selten mehrere Jahrzehnte mit diesem Konstrukt leben. Da ist es nur legitim, an den Stellen den Finger in die Wunde zu legen, wo die Schwachstellen sind. Die größte ist nun einmal die staatliche Förderung. Fassen wir zusammen:

Mit einem anfänglichen Monatsbeitrag von 5 Euro und einem jährlichen staatlichen Zuschuß von 863 Euro, erhält die Versicherungskundin eine Monatsrente von 72,54 Euro. Netto werden es um die 60 Euro sein (nach Abzug der Einkommensteuer). Wie sähe die Alternative aus? Nun, die Kundin verzichtet auf einen Riestervertrag und damit auf die staatliche Förderung von 863 Euro. Statt dessen zahlt sie die 5 Euro aufs Sparkonto, welches mit 3,5% verzinst wird. Ihre zu leistenden Zahlungen entsprechen denen der Riester-Kundin, die in der Spitze 51,25 Euro aus eigener Tasche zahlt. Die Bankkundin wird mit 67 Jahren in Rente gehen und läßt sich nun aus ihrem Ersparten ebenfalls eine Rente von 60 Euro auszahlen (die Abgeltungssteuer ist berücksichtigt). Ihr Erspartes reicht für 15 Jahre. Danach ist der Betrag aufgebraucht. Die Kundin ist dann 82 Jahre alt.

Ich frage Sie: Obwohl sie keinen einzigen Cent vom Staat erhält, kann Sie 15 Jahre die gleiche Rente beziehen wie die Riester-Kundin, die, wir erinnern uns, zusätzlich 863 Euro staatliche Förderung kassierte. Sie sehen, dieses Geld fließt 1:1 an die Versicherungsgesellschaften. Eine skandalöse Situation.

Natürlich ist mir klar, dass die Riester-Kundin auch dann eine Rente erhält, wenn sie älter als 82 Jahre wird. Dann würde die Bankkundin mit leeren Händen dastehen. Könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Ich habe ihre Rente mit 3,5% berechnet. Die Wahrscheinlichkeit, dass in 25 Jahren der Zins durchaus höher ausfallen kann, ist sehr, sehr hoch. Insofern haben wir es bei meiner Berechnung mit der Vorsichtigsten überhaupt zu tun. Das Ergebnis wird am Ende noch viel besser sein. Aber ich neige nicht zu Übertreibungen. Im Übrigen geht es mir um Bewußtmachung. „Do it yourself“, das ist meine Devise. Während die Bankkundin frei in der Gestaltung ihrer Rente ist, ist jeder Riester-Kunde an seinen Vertrag geknebelt.

In Anbetracht der Verwerfungen an den Kapitalmärkten möchte ich Ihnen genau das Empfehlen. Niemand weiß, was aus solchen Verträgen wie Riester, Rürup oder einer betrieblichen Altersversorgung werden wird, wenn Verhältnisse wie 1948 kommen werden. Das diese Verhältnisse kommen, das ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche.

Apropos Amen. Nun kommt der Papst nach Deutschland. Er wird sogar im Bundestag sprechen. Vor halb leerem Haus, weil die andere Hälfte im Sandkasten spielt und „ein auf dicke Hose macht“. Vielleicht aber haben sie selbige voll, ob ihrer eigenen Verfehlungen. Nichts Genaues weiß man nicht. Dabei war doch klar, dass der Papst im deutschen Parlament sprechen wird. Schließlich versprach er bei seinem Amtsantritt, immer dort zu sein, wo das Elend am größten ist. Schön, dass er dieses Versprechen nun einlöst.


Zitate zur Euro-Stabilität

„Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den sogenannten reichen Ländern abkassiert. Dann nämlich würde Europa auseinanderfallen. Es gibt eine ’no bail out rule‘. Das heißt, wenn sich ein Land durch eigenes Verhalten hohe Defizite zulegt, dann ist weder die Gemeinschaft noch ein Mitgliedstaat verpflichtet, diesem Land zu helfen.“
Horst Köhler, damals Finanzstaatssekretär, April 1992

„Die neue Währung wird nur dann stabil sein, wenn die klar definierten Stabilitätsmerkmale auf Dauer gelten. Eine funktionstüchtige Währungsunion benötigt eine regelmäßig und verpflichtend abgestimmte Finanzpolitik.“
Hermann Otto Solms, FDP-Finanzexperte, Oktober 1995

„Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet.“
Ralf Dahrendorf, liberaler Vordenker, Dezember 1995

„Ihr könnt darauf vertrauen, dass der Euro eine stabile Währung sein wird. Das funktioniert.“
Wolfgang Schäuble, damals Unionsfraktionschef, Dezember 1996

„Die Stabilität des Euro hängt langfristig von der Reaktion der Finanzmärkte ab. Wenn die Teilnehmer der Währungsunion, was ich befürchte, nach politischen Erwägungen ausgewählt werden, dann wird das die Devisenhändler beeindrucken.“
Gerhard Schröder, damals niedersächsischer Ministerpräsident, Februar 1997

„Auf keinen Fall darf es einen weichen, inflationstreibenden Euro geben.“
Jacques Delors, früherer EG-Kommissionspräsident, Juni 1997

„Es gibt keine Zentralbank der Welt, die von der Politik so unabhängig ist wie die Europäische Zentralbank.“
Wim Duisenberg, erster EZB-Präsident, Juni 1998

„Der Euro ist eine außerordentlich stabile Währung, stabiler als zum Beispiel die Mark während der meisten Zeit ihrer 50-jährigen Existenz.“
Ottmar Issing, damals Chefökonom der Europäischen Zentralbank, Januar 2000

„Der Euro hat ein starkes Imageproblem. Die EZB tut zu wenig, dem entgegen zu wirken. Sie sagt nicht eindeutig, ob sie ihre Geldpolitik an der Inflationsrate orientiert oder an der Geldmenge.“
Joachim Starbatty, Wirtschaftswissenschaftler und Eurogegner, Mai 2000

„Der Euro beruht auf derselben Art von Stabilität wie die Mark. Dafür haben wir mit dem Stabilitätspakt gesorgt.“
Romano Prodi, damals EU-Kommissionspräsident, September 2001

„Dieses Geld wird eine große Zukunft haben!“
Helmut Kohl, Altbundeskanzler, Dezember 2001

„Auf mittlere Sicht erwarte ich, dass die Preise für Autos und Medikamente sinken. Der Euro ist kein Teuro. Er ist genauso hart wie die D-Mark, auch im Verhältnis zum Dollar.“
Hans Eichel, damals Bundesfinanzminister, Dezember 2001

„Die EZB würde problematisch handeln, wenn sie auf die Interessen einzelner Länder einginge. Das wäre, wie wenn die Bundesbank früher auf die Situation einzelner Bundesländer geschaut hätte.“
Hans Tietmeyer, früherer Bundesbankchef, Dezember 2006

„Der Euro ist ein riesiger Erfolg. Wenn wir ihn nicht hätten, stünden wir um vieles schlechter da.“
Theo Waigel, früherer Bundesfinanzminister, Januar 2009

„Keine Regierung und kein Staat könnten eine spezielle Behandlung erwarten. Die Notenbank wird ihre Prinzipien nicht ändern, nur weil die Staatsanleihen eines Mitgliedslandes die entsprechenden Kriterien nicht mehr erfüllen.“
Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident, Januar 2010


Euro-Schuldenkrise: Die Vernichtung des Vermögens der kleinen Leute

Was sich momentan bei italienischen und spanischen Staatsanleihen abspielt, erinnert frappierend an die Zeit kurz bevor erstmals ruchbar wurde, dass Griechenland praktisch pleite ist. Damals wie heute behaupten die Regierungen der Eurozone unisono, ihre Anleihen seien sicher, die Probleme nur von vorübergehender Natur und ausschließlich durch zockende Spekulanten und bösartige US-Ratingagenturen hervorgerufen.Natürlich ist das kompletter Unsinn – aber es ist ja immer schön, wenn man einen Buhmann hat, dem man den schwarzen Peter zuschieben kann um nicht selbst zur Verantwortung für sträfliche Versäumnisse genommen zu werden. In Wirklichkeit ist hauptsächlich der (durchaus nachvollziehbare) Sinneswandel großer, konservativer Investoren – insbesondere Lebensversicherungen und Pensionskassen – für den massiven Zinsansteig verantwortlich. Diese wollten ursprünglich ein sicheres Investment mit etwas besseren Zinsen. Nun wird vielen klar, dass die von ihnen erworbenen, südeuropäischen Staatsanleihen bei weitem riskanter sind als gedacht und gegenüber den Anlegern vertretbar.

Deutsche Lebensversicherer sind massiv in Spanien und Italien engagiert
Die Allianz, die Nr. 1 unter den deutschen Lebensversicherern, hat laut Presseberichten jeden vierten Euro seines Anleiheportfolios in Italien und Spanien angelegt. Bei den übrigen deutschen Versicherern dürfte es kaum weniger sein. Es ist davon auszugehen, dass der ein oder andere Portfoliomanager versuchen wird, zumindest einen Teil seiner spanischen und italienischen Anlagen loszuwerden, bevor er sich gegenüber der Finanzmarktaufsicht erklären muss. Doch an wen ? Im Grunde kommen bestenfalls risikofreudige Anleger in Frage, die jedoch nur mit höheren Renditen geködert werden können. Und genau das passiert zur Zeit. Dass Italien gestern und heute summa summarum für knapp 12 Milliarden Euro neue Anleihen plazieren konnte, ist in diesem Zusammenhang keineswegs eine Erfolgsmeldung, da für den Absatz erheblich höhere Zinssätze als noch vor kurzem notwendig waren. Solche „Erfolge“ konnte Griechenland sogar noch drei Wochen vor der Pleite Anfang Mai 2010 „feiern“. Genützt hat es wenig. Mittlerweile müssen Italien und Spanien für zehnjährige Anleihen Renditen bieten, wie Griechenland ein halbes Jahr vor dem Bankrott.

Spanien und Italien: to big, to bail

Die beiden größten Länder des südlichen Eurogürtels sind viel zu groß, um nach dem bisherigen Muster „gerettet“ werden zu können. Für die Eurozone ist diese Entwicklung dramatisch. Allein Spanien hat so viele Schulden (ca. 640 Mrd. Euro) wie Griechenland, Irland und Portugal zusammen. Italiens Schuldenberg beläuft sich derzeit laut Eurostat sogar auf über 1.840 Mrd. Euro. Eine Rettungsaktion für diese großen, hoch verschuldeten Volkswirtschaften käme für die „Retter“ einem Selbstmord gleich. Bisher haben die Regierungen der Eurozone eine wirkliche Lösung der Krise vermieden und stattdessen immer nur auf Zeit gespielt. Angesichts der schieren Größe der Schulden in Spanien und Italien ist dies nun kein gangbarer Weg mehr. Falls das Vertrauen der konservativen Investoren weiter schwindet, werden in Europa schon bald harte Entscheidungen anstehen. Entweder wir sorgen für eine deutliche Entschuldung durch Inflation oder aber durch Zahlungsausfälle mittels Staats- und Bankenpleiten. Schmerzfreie Lösungen gibt es nicht mehr.Und was bedeutet dies nun für Lebens- und Rentenversicherungen ?

Laut Statistik hat jeder Deutsche mehr als eine solche Kapitalversicherung im Schrank. Noch wiegen sich die meisten in trügerischer Sicherheit. Wie bei so manchem, ehemals offenen Immobilienfonds dürfte eine Panik kaum vermeidbar sein, wenn die Menschen die wahren Risiken ihrer angeblich soliden Altersvorsorge erkennen. „Wenn schon in Panik geraten, dann doch am besten als Erster“ lautet eine alte Börsenweisheit. Und so kann die Devise nur lauten: „Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.“ In diesem Sinne ist das wichtigste Schriftstück in Ihrem Versicherungsordner die Kündigung dieser unsinnigen Geldvernichtungsverträge !

Jahrbuch 2009 / 2010

Soeben veröffentlicht:
Das Jahrbuch 2009/2010

Mit dem Special zur Finanzkrise aus dem Herbst 2007, dank u.a. dem unsere Leser rechtzeitig vor Ausbruch der Krise gewarnt und entsprechend vorbereitet waren.

Das Jahrbuch 2009 / 2010


„Bankenrettung“ – der mittlerweile fast alltägliche Wahnsinn


Die HRE kostet uns siebenmal (!) mehr als die jährliche Zahlungen für 5 Mio Hartz IV Empfänger !

Mit 8 Milliarden Euro Kapital und 102 Mrd. Euro an Bürgschaften hat die Bundesregierung die Hypo Real Estate (HRE) bisher gestützt und sie gegen alle verfassungsrechtlichen Bedenken verstaatlicht. Ein Jahr nach der Verstaatlichung müssen die Steuerzahler nun noch einmal satte 40 Mrd. Euro Staatsgarantien berappen – und ein Ende ist nicht abzusehen. Offiziell sitzt die Bank noch auf weiteren 180 Mrd. „toxischen Papieren“ – und die Erfahrung lehrt, dass in dieser Zunft stets nur das zugegeben wird, was ohnehin schon bekannt ist. Die Landesbanken haben es schließlich – mit politischem Segen – vorgemacht.

Um eine Vorstellung der Größenordnung von 150 Mrd. Euro (!) zu geben, der bereits Stand heute für das Himmelfahrtskommando „HRE-Rettung“ eingesetzt wurde : Die mehr als 5 Millionen Hartz IV Empfänger in Deutschland erhielten zusammen im letztgemeldeten Jahr 2008 mit 21,6 Mrd. Euro gerade mal ein Siebtel davon … und ausgerechnet dort soll jetzt im „Sparhaushalt“ gekürzt werden.